Rassistische Gewalt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen ist Alltag in der Bundesrepublik Deutschland. Vereinzelt sorgt sie für öffentliches Entsetzen, meist aber bleibt sie medial unbeachtet. Auf Jenaer Initiative hin hat sich ein Kooperationsnetz von Theatern und Institutionen aus 14 Städten zusammengeschlossen, um vom 21. Oktober bis 7. November 2021 gemeinsam das interdisziplinäre Theaterprojekt „Kein Schlussstrich!“ zu realisieren – mit dem Anliegen, die Taten und Hintergründe des NSU künstlerisch zu thematisieren. Beteiligt waren Personen in den Städten, die unmittelbar vom NSU-Komplex betroffen waren und sind: die Städte, in denen zehn Bürger:innen von Rassisten ermordet wurden. Auch jene Städte waren beteiligt, in denen die Täter:innen des NSU aufwuchsen, Aufenthalt oder Unterstützung fanden. Mit dem Vorhaben sollten die Perspektiven der Familien der Opfer und der migrantischen Communities in den Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit gebracht werden: Mit Theateraufführungen, musikalischen Interventionen im öffentlichen Raum, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und Workshops stellte das Projekt Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit für die notwendige Auseinandersetzung mit dem institutionellen und strukturellen Rassismus in unserer Gesellschaft her.
Mit diesen Fragen setzte sich eine Gruppe von Künstler:innen in acht deutschen Städten, die vom Terror
https://www.jenakultur.de/de/894593
Kein Schlussstrich! Jena und der NSU-Komplex
und es war 2021 endlich an der Zeit, die stadtgesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem rechten Terror
https://www.jenakultur.de/de/aufgaben_und_service/stadtgeschichtsforschung/erinnerungskultur/enver_im_ek/887010
Am 9. September 2000, einem Samstag, wird der 38-jährige Blumenhändler Enver Şimşek blutüberströmt in seinem Mercedes-Lieferwagen in einer Parkbucht in Nürnberg aufgefunden. Zwei unbekannte Täter, so urteilten die polizeilichen Ermittler später, haben ihn neben seinem mobilen Blumenverkaufsstand mit acht Schüssen „regelrecht hingerichtet“. Enver Şimşek verstirbt zwei Tage später im Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Die Schüsse, die ihn töteten, stammen aus einer Pistole des Typs Ceska 83, Kaliber 7,65. Noch ahnt niemand, dass mit derselben Waffe in den folgenden Jahren acht weitere Geschäftsleute mit türkischen und griechischen Wurzeln ermordet werden. Enver Şimşek ist das erste Opfer einer beispiellosen Mordserie, die in den Medien bald danach irreführend als „Dönermorde“ bezeichnet wird.
Was der NSU-Terror für die Opfer und Angehörigen bedeutet".
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