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Migrationshintergrund | Multikulturelles Forum e.V.

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Definition von Migrationshintergrund Nach der Definition des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge hat eine Person dann einen Migrationshintergrund, „wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist.“ Damit umfasst die Definition zugewanderte und nicht zugewanderte Ausländer*innen, Eingebürgerte und (Spät-)Aussiedler*innen. Auch in Deutschland geborene Deutsche haben einen Migrationshintergrund, sofern mindestens eines ihrer Elternteile Ausländer*innen, Eingebürgerte oder Spätaussiedler*innen sind. In der darauffolgenden Generation spricht man dann offiziell nicht mehr von einem Migrationshintergrund (vgl. Stat. Bundesamt, 2017a). Migrationsanteile in Deutschland Gemäß dieser Definition hat fast jede*r Vierte in Deutschland einen Migrationshintergrund. Etwa die Hälfte von ihnen ist Ausländer*in, gut zwei Drittel hat eigene Migrationserfahrung. Mehr als zwei Drittel aller Menschen mit Migrationshintergrund hat Wurzeln im europäischen Ausland. Die Zahlen des Statistischen Bundesamts suggerieren einen zukünftig stetigen Anstieg an Menschen mit Migrationshintergrund, erfüllen doch fast 40 Prozent aller in Deutschland lebenden Kinder unter fünf Jahren die oben genannten Kriterien (vgl. Stat. Bundesamt, 2017b). Problematischer Begriff Mit dem Begriff ist die problematische Trennung in Wir und die anderen verbunden, die zu Spaltung, Stigmatisierung und Abgrenzung innerhalb einer Bevölkerung führen und bei den Betroffenen ein Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit zur (Mehrheits-)Gesellschaft verstärken kann. Somit trägt der Begriff nicht unbedingt zum gesellschaftlichen Zusammenwachsen bzw. Miteinander verschiedener kultureller Hintergründe bei. Darüber hinaus impliziert der Begriff eine weitgehend homogene Gruppe von Menschen, die in der Realität vollkommen vielfältig ist, und das nicht nur bezogen auf ihre kulturellen Einflüsse und Wertvorstellungen, sondern auch hinsichtlich ihrer sozioökonomischen Stellung in der Gesellschaft (Bildung, Einkommen, Berufs- und Wohnsituation u.v.a.). Ihr (kleinster) gemeinsamer Nenner besteht zugespitzt formuliert lediglich darin, nicht „uneingeschränkt“ deutsch zu sein. Begriffsegitimierung Damit stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Begrifflichkeit, die sich am ehesten aus sozialwissenschaftlicher Perspektive erklären lässt. Spätestens seit den 80er Jahren stellte die Forschung individuelle Probleme und strukturelle Benachteiligungen bei den so genannten Gastarbeiter*innen und ihren Familien fest, etwa im Bereich der Bildung, des Arbeitsmarktes oder der sozialen Teilhabe. Forderungen nach entsprechenden Fördermaßnahmen speziell für Ausländer*innen wurden laut. Vergleichbare Problemlagen tauchten jedoch auch noch in der in Deutschland geborenen Nachfolgegeneration sowie bei Zugewanderten mit deutscher Staatsangehörigkeit (z.B. Aussiedler*innen) auf, sodass das Merkmal „Ausländer*in“ zugunsten der Wortneuschöpfung „Menschen mit Migrationshintergrund“ aufgegeben wurde. Aus förderpolitischer Perspektive kann es also durchaus Sinn ergeben, Menschen mit Migrationshintergrund als besondere Zielgruppe zu definieren und spezifische Hilfsangebote für diese Gruppe zu konzipieren. Deshalb beansprucht der Begriff gerade in der Sozialen Arbeit bis heute eine Daseinsberechtigung. Positivierung Inzwischen hat sich das Merkmal „Migrationshintergrund“ im Lichte zunehmender Globalisierung auf dem Arbeitsmarkt teilweise sogar als positiver Faktor herauskristallisiert. Immer mehr Arbeitgeber assoziieren damit nämlich zusätzliche Soft-Skills wie Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenzen oder Problemlösungskreativität. Diese positive Entwicklung darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Menschen mit Migrationshintergrund in wichtigen gesellschaftlichen Teilbereichen nach wie vor nicht angemessen teilhaben. (vgl. Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2016). „Migrationshintergrund“ beim Multikulturellen Forum Auch das Multikulturelle Forum betrachtet den Begriff aufgrund seiner ausgrenzenden Eigenschaft durchaus skeptisch. Seine Angebote richten sich grundsätzlich an alle Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, Nationalität oder ethnischer Herkunft. Eine Differenzierung zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund widerspräche den Grundsätzen des Vereins, das kulturelle Verschiedenheit als Bereicherung versteht und sich für das Miteinander von Kulturen und Menschen in einer von Respekt und gegenseitiger Akzeptanz geprägten Gesellschaft mit gleichen Rechten, Pflichten und Chancen für alle einsetzt. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass zur Sicherstellung von Chancengleichheit und gleichberechtigter Teilhabe jene Menschen besonders in den Fokus genommen werden müssen, die gegenwärtig noch vielerlei Benachteiligungen ausgesetzt sind. So richten sich Integrationskurse und berufsbezogene Deutschkurse explizit an Menschen mit Migrationshintergrund, um ihre sprachlichen Kompetenzen zu erweitern. Durch migrationssensible Maßnahmen möchte es die gesellschaftliche Teilhabe am Arbeitsmarkt zu erhöhen. Hinzu kommen zielgruppenspezifische Angebote (z.B. für geflüchtete Frauen oder Mütter mit Migrationshintergrund), die durch passgenaue Qualifizierung und Beratung insbesondere die Erwerbsintegration dieser Bevölkerungsgruppen fördern. Quellen Bundesbeauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration (2016): Teilhabe, Chancengleichheit und Rechtsentwicklung in der Einwanderungsgesellschaft Deutschland. 11. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Berlin. Statistisches Bundesamt (2017a): Fachserie 1, Reihe 2.2 Bevölkerung und Erwerbstätigkeit, Bevölkerung mit Migrationshintergrund, Ergebnisse des Mikrozensus, Wiesbaden. Statistisches Bundesamt (2017b): Mikrozensus – Bevölkerung mit Migrationshintergrund, abgerufen bei der Bundeszentrale für politische Bildung, 26.9.2018
Unser erfolgreiches Empowerment-Projekt im Rahmen von "Jugend Stärken im Quartier" gibt

Sprache | Multikulturelles Forum e.V.

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Bedeutung von Sprache Sprache ist als grundlegendes Verständigungsmittel die Basis der alltäglichen Kommunikation. Ihre Beherrschung umfasst die vier Fertigkeiten Hören Sprechen Lesen und Schreiben. Die Ausprägung, in welcher diese Sprachfertigkeiten beherrscht werden, lässt sich – angelehnt an den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) – in sechs Stufen angeben: A1 (als niedrigste Stufe), A2, B1, B2, C1 und C2 (als höchste Stufe) der Sprachkompetenz. In einer stark schriftkulturell geprägten Gesellschaft wie der deutschen kommt der Beherrschung der Schriftsprache – also dem Lesen und Schreiben – eine entscheidende Bedeutung zu. Zugleich wird im realen Alltag nicht allein eine Sprache gesprochen. Die Sprachenvielfalt auch hierzulande nimmt zu. So werden in deutschen Ballungsräumen weit mehr als 100 Sprachen gesprochen. Rund ein Drittel aller Grundschüler wachsen dort mehrsprachig, also mit Deutsch und einer weiteren Sprache auf (vgl. Schröder, 2007). Sprache und Teilhabe Wer an der Gesellschaft teilhaben will, muss ihre Sprachen sprechen. Um Zugang zu Bildungsmöglichkeiten, zum Arbeitsmarkt, zu Einkommen, zu sozialen Kontakten oder zu gesellschaftlicher Anerkennung bekommen zu können, ist die Beherrschung der Sprache Voraussetzung. Ebenso werden Zuschreibungen wie Identität, Zugehörigkeit, Fremdheit, Abgrenzungen oder Diskriminierungen an die Sprachkompetenz geknüpft. Im Prozess der Integration nimmt die Sprachbeherrschung daher eine Schlüsselrolle ein. Beispiel: Arbeitsmarkt Das zeigt sich bspw. in den Chancen, eine Beschäftigung zu finden, aber vor allem auch ein höheres Einkommen zu erzielen und eine Position zu erreichen, die der eigenen Ausbildung entspricht. Diese sind umso höher, je ausgeprägter die eigenen Sprachkompetenzen sind. Wenn die Sprachbeherrschung eingeschränkt ist, ist es schwieriger, vorhandene eigene Kenntnisse und Berufserfahrungen tatsächlich nutzen zu können. Dieses wird zusätzlich erschwert, wenn die Verwendbarkeit der eigenen Herkunftssprache auf dem Arbeitsmarkt sehr gering ist, wenn in einer Berufsbranche oder für eine bestimmte Tätigkeit Verständigung und Absprachen in hohem Maße vorausgesetzt werden oder wenn die erforderlichen Sprachkenntnisse sehr spezifisch sind. Sprache als Bewertungsmaßstab Die Sprachkompetenz wird als Bewertungsmaßstab herangezogen zur Einschätzung des Erfolgs der Teilnahme an einem Integrationskurs bzw. des individuellen Integrationsprozesses insgesamt oder sogar der vermeintlichen Stärke der Integrationswilligkeit. Sprache wird zur Voraussetzung für rechtliche Vergünstigungen oder Sanktionen gemacht. Die rechtliche Verpflichtung zur Teilnahme an Integrationskursen für Neuzuwandernde oder der Nachweis von Sprachkenntnissen für nachziehende Ehegatten wird mit der zentralen Rolle der Sprache im Integrationsprozess rechtfertigt. Vorteil: Mehrsprachigkeit Welche Perspektive wird zugrunde gelegt? Sieht man eher Defizite, Hindernisse und mögliche Konflikte in einer nicht ausreichenden Sprachbeherrschung? Oder richtet man den Blick stärker auf Potenziale, Chancen und eine mögliche Bereicherung und Innovation, die Mehrsprachigkeit mit sich bringt? Sprachliche Vielfalt und Mehrsprachigkeit können – ähnlich wie kulturelle Vielfalt insgesamt – kreative und zukunftsweisende Anregungen und interkulturellen Austausch in Gang setzen. Das gilt sowohl für den Arbeitsmarkt als auch übergreifend für die gesamte Gesellschaft. Sprachförderung beim Multikulturellen Forum Damit eine Sprache erfolgreich erlernt werden kann, bedarf es u.a. geeigneter Lernangebote und einer engagierten Unterstützung. Das Multikulturelle Forum hat von seinen Gründungstagen an Sprache vermittelt und sich heute zu einem wichtigen Sprachkursträger mit einem sehr differenzierten Angebot in der Region entwickelt. Wichtig war von Anfang an, Sprache dort zu unterrichten, wo die Menschen leben und wo sie sie brauchen – also in Migrantenorganisationen, im Stadtteil, in Familienzentren oder Schulen. Sprachkurse werden niedrigschwellig gehalten und mit engagierten und qualifizierten Lehrkräften angeboten. Die Kursangebote sind in der Regel auf die konkrete alltagspraktische oder die berufliche Verwendbarkeit ausgelegt. Auch die Muttersprache fördernde Sprachangebote sowie unterstützende Beratungen in der Muttersprache werden durchgeführt, um so das Lernen der Zweitsprache zu erleichtern. Überhaupt sind die Sprachangebote nicht isoliert, sondern ganzheitlich in die Angebotspalette eingebunden – angefangen von Gesprächskreisen, die an Sprachkurse heranführen, über vielfältige Sprachlernangebote wie Integrationskurse, berufsbezogene Sprachkurse oder prüfungsvorbereitende Intensivkurse wie auch ergänzende Zuwanderungs- oder Bildungsberatung bis hin zu arbeitsmarktbezogenen Angeboten wie Praktika oder Betriebsbesichtigungen während oder im Anschluss an die Sprachvermittlung. Quelle Schröder, Christoph, Integration und Sprache, Bonn 2007.
Es gibt Kurse, die eher der beruflichen Orientierung dienen aber auch solche, die

Beratung | Multikulturelles Forum e.V.

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Beratung findet in den unterschiedlichsten Lebenssituationen und Kontexten statt. Ziel ist, gemeinsam mit den Ratsuchenden Orientierungs- und Entscheidungshilfen zu erarbeiten. Freiwillig – vertraulich – transparent Im Fokus der Beratung stehen ein ressourcenorientiertes Vorgehen, eine offene Kommunikation auf Augenhöhe und ein respektvoller Umgang. Abzugrenzen ist Beratung im professionellen Sinne von therapeutischen Ansätzen und Belehrungen gegenüber den Ratsuchenden. Beratung beruht auf Freiwilligkeit, Vertraulichkeit und Transparenz und kann sowohl vorbeugend als auch eingreifend erfolgen. Das Handeln der Ratsuchenden bleibt während des gesamten Beratungsprozesses über selbstbestimmt. Beratung im Arbeitsalltag Während Freiwilligkeit ein wichtiger Aspekt innerhalb des Beratungsprozesses ist, stellt sich in der täglichen Beratungspraxis genau dies mitunter als erschwerend dar, da der Beratungsprozess häufig durch außenstehende Institutionen – bspw. Jobcenter oder Arbeitsagenturen – initiiert wird. An dieser Stelle treffen unterschiedliche Intentionen und Wahrnehmungen von Notwendigkeiten zusammen. Zuerst müssen diese gegeneinander abgewogen und vermeintliche Widersprüchlichkeiten aufgebrochen werden. Beratung und Selbstbestimmung Ebenso wichtig ist es, innerhalb des Beratungsprozesses herauszustellen, dass die Beratenden nicht die Entscheidung für die Ratsuchenden treffen, sondern lediglich Möglichkeiten und Alternativen aufzeigen können. Im Idealfall dient die Beratung der Informationsvermittlung, der Entscheidungsfindung und/oder dem Ausbau der Handlungskompetenz. Eine vermeintliche „Beratungsresistenz“ der Ratsuchenden muss daher vor diesem Hintergrund auch als Entscheidung gegen erarbeitete Handlungsoptionen und als eine selbstbestimmte Entscheidung verstanden werden. Einflussfaktoren auf die Beratung Beratung als professionelle Unterstützungsform wird zudem von inneren (persönlichen) und von äußeren Faktoren beeinflusst, die sich gegenseitig sowohl positiv als auch negativ beeinflussen können. Als äußere Faktoren sind hier beispielsweise Zugänglichkeit zum Beratungsangebot sowie ggf. zu beachtende Zugangsvoraussetzungen zu nennen. Motivation, die Bereitschaft Unterstützungsangebote anzunehmen, Vertraulichkeit, Vertrauen, aber auch sprachliche Kompetenzen stehen beispielhaft für persönliche Faktoren. Diese stehen innerhalb des Beratungsprozesses in Interaktion und Wechselwirkung untereinander, aber auch zu den äußeren Faktoren. Ein gelungener Beratungsprozess muss also all diese Bedingungen miteinander verknüpfen und in Einklang bringen bzw. ihnen gegenüber Rechnung tragen und wertschätzend und empathisch den Ratsuchenden gegenüber gestaltet werden. Beratungsansatz beim Multikulturellen Forum: Um eine erfolgreiche, nachhaltige und im Sinne der Ratsuchenden gestaltete Beratung umzusetzen, verfolgt das Multikulturelle Forum einen ganzheitlichen und lebensweltorientierten Ansatz. Schwerpunkte des auf unterschiedliche Zielgruppen zugeschnittenen Beratungsangebotes sind: Migrationsberatung Flüchtlingsberatung Erwerbslosenberatung Beratung zur beruflichen Entwicklung Darüber hinaus verfügt das Multikulturelle Forum über weitere Beratungsformate mit arbeitsmarkt- oder präventionspolitischer Ausrichtung. Das Beraterteam verfügt über aktuelles, spezifisches Wissen, bildet sich regelmäßig fort und nutzt die bestehenden Netzwerke. Die Beratung im Multikulturellen Forum zeichnet sich aus durch Zeit, Raum, Interesse, Humor und Empathie für die Beratungskund*innen. Im Blick bleibt stets, mögliche Hemmschwellen und Barrieren – sprachliche wie andere – niedrig zu halten und den Ratsuchenden sehr unterschiedlicher Herkunft den Zugang zum Beratungsangebot zu ermöglichen. Das gelingt bspw. durch den Einsatz muttersprachlicher Berater*innen, die Unterstützung durch ein mehrsprachiges Team und durch interkulturell geschultes Fachpersonal oder Personen mit eigener Migrationsgeschichte. Aber auch das Verständnis für möglicherweise andere familiäre Strukturen oder andere Unterstützungsnetzwerke, für andere Bildungswege oder bspw. für spezifische Erfahrungen mit staatlichen Instanzen sind für den Aufbau von Motivation und Vertrauen ebenso sinnvoll wie eine einladende Atmosphäre und eine Tasse Tee oder Kaffee. Die Umsetzung einer solchen Handlungsmaxime ermöglicht es, umfassend lösungs- und zielorientiert beraten zu können.
Menschen mit guter Bleibeperspektive, Migrant*innen und ihre Familienangehörigen und gibt

Arbeitsmarkt | Multikulturelles Forum e.V.

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Der Begriff „Arbeitsmarkt“ definiert aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht das Zusammentreffen von Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage und wird durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen wie z.B. die Demografie, struktureller Wandel, Fachkräftemangel und der Globalisierung, bestimmt. Zwischen Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel Den steigenden Anforderungen können einige Menschen nicht gerecht werden, sodass sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nicht „marktüblich“ schließt. Infolgedessen sind Fachkräftemangel und Langzeitarbeitslosigkeit zwei nebeneinander bestehende Phänomene des modernen Arbeitsmarktes. Von Arbeitslosigkeit signifikant häufiger betroffen sind u.a. Menschen mit Migrationshintergrund. Einer Auswertung der Bundesagentur für Arbeit (Stand 2019) zufolge hat fast jede*r zweite Arbeitslose einen Migrationshintergrund (44 Prozent). Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von Bildungs-, Sprach- und Informationsdefiziten über fehlende fachspezifische Kenntnisse oder formelle Nachweise darüber bis hin zu versteckter oder offener Diskriminierung. Um den Arbeitsmarkt in Deutschland zu optimieren, gilt es einerseits die Arbeitsmarktchancen von Menschen mit Migrationshintergrund zu verbessern und einen chancengerechten Zugang zu ermöglichen und andererseits Unternehmen für die Potenziale von Migrant*innen zu öffnen und zu stärken. Arbeitsmarktbezogene Angebote des Multikulturellen Forums Das Multikulturelle Forum unterstützt und begleitet im Bereich „Arbeit und Qualifizierung“ arbeitsuchende und arbeitslose Menschen in ihrer beruflichen Integration, indem es kombinierte und zielgerichtete Integrationsangebote sowie eine adäquate Beratung anbietet. Wir geben Hilfestellungen im Bewerbungsverfahren, betreiben direkte Arbeits- und Ausbildungsplatzvermittlung und ermöglichen Qualifizierungen. Bei der Gestaltung der entsprechenden Arbeitsmarktmaßnahmen stellen die jeweilige Situation sowie die Bedürfnisse der einzelnen Person den Schlüsselfaktor dar. Durch individuelle Förderung, zielgruppenadäquate Angebote und potenzialorientierte Beratung unterstützt das Multikulturelle Forum Bewerber*innen mit und ohne Migrationshintergrund dabei, Barrieren auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt zu beseitigen. Maßnahmen für Arbeitsuchende und Arbeitslose Verfolgt wird stets ein ganzheitlicher und partizipatorischer Ansatz. Dabei können Arbeitsuchende oder Arbeitslose in den entsprechenden Maßnahmen folgende Schritte durchlaufen: Kompetenzfeststellung Berufliche Orientierung Coaching Vermittlung Nachgehende Betreuung auf dem Arbeitsplatz Kooperation und Vernetzung (mit Jobcentren, Bundesagenturen, Unternehmen, Verwaltung, Politik, Bildungsträger, Kammern, Migrantenorganisationen und kommunalen Beratungsstellen). Insbesondere in der „Coaching-Phase“ werden gezielt Veranstaltungen für Personalbeauftragte organisiert. In diesen Veranstaltungen können sich junge arbeits- oder ausbildungsplatzsuchende Menschen mit ihren Fähig- und Fertigkeiten den Unternehmensvertreter*innen vorstellen und ihre arbeitsweltrelevanten Schlüsselkompetenzen sichtbar machen. Angebote für Unternehmen und Verwaltungen Darüber hinaus werden Gesprächskreise mit Personalbeauftragten und arbeitsuchenden Personen durchgeführt, um den persönlichen Austausch zu ermöglichen und durch Begegnung die Stärken des Gegenübers zu entdecken und bestimmte Vorbehalte abzubauen. Gleichzeitig unterstützt das Multikulturelle Forum auch direkt Unternehmen und Verwaltungen in ihrem Bestreben, mehr Vielfalt in ihren Betrieben oder Behörden zu verankern. Es setzt seine Erfahrungswerte im Bereich der interkulturellen Öffnung ein und stellt für Organisationen individuelle Angebote zur Verfügung, welche den Sensibilisierungsprozess der Belegschaft sowie der Leitung für das Potenzial von personeller Vielfalt aufbauen und fördern. Darüber hinaus bieten regelmäßige Dialogforen zur interkulturellen Öffnung arbeitsmarktpolitischen Akteuren aus dem westfälischen Ruhrgebiet die Möglichkeit, sich aktuelle Informationen zu dem Thema einzuholen und sich auszutauschen. Um gelungene Beispiele der kulturellen Vielfalt aus der Wirtschaft in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen, verleiht das Multikulturelle Forum gemeinsam mit anderen Partnern seit 2006 den Interkulturellen Wirtschaftspreis.
Es gibt Kurse, die eher der beruflichen Orientierung dienen aber auch solche, die

Migration | Multikulturelles Forum e.V.

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Die Geschichte der Menschheit, die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Fortschritte der Zivilisation sind geprägt durch Migration. Menschen verließen schon seit jeher ihren Wohnort um nach neuen und besseren Lebensbedingungen zu suchen. Der Begriff Migration (von den lateinischen Wörtern „migrare“ – wandern, wegziehen und „migratio“ – Wanderung abstammend) beschreibt jegliche räumliche Bewegung von Individuen, Familien, Gruppen oder auch ganzen Bevölkerungen, die einen längerfristigen Wohnortwechsel bedingen. Dabei steht die freiwillige Migration (z.B. zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, eines Studiums oder einer Ausbildung, aber auch die Heiratsmigration) der Zwangsmigration gegenüber (z.B. Flucht oder Vertreibung aus lebensbedrohlichen Zwangslagen, die politischen, religiösen, ethnologischen oder ökologischen Ursprungs sein können). Laut Migrationsbericht der Bundesregierung sind im Jahr 2018 netto rund 400.000 Menschen nach Deutschland zugewandert, basierend auf 1,58 Millionen Zuzügen und 1,18 Millionen Fortzügen. Zwei Drittel der Zugewanderten kamen aus einem anderen europäischen Staat nach Deutschland. „Deutschland ist ein Einwanderungsland“ Diese Einschätzung teilt mittlerweile auch die Bundesregierung ganz offiziell. Vertreter*innen aus der Wirtschaft formulieren es in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels noch deutlicher: „Deutschland braucht Einwanderung“. Zurzeit zeigt die Realität jedoch noch ein anderes Bild: Die im Ausland erworbenen Abschlüsse und Qualifikationen der zugewanderten Menschen werden in Deutschland oft nicht anerkannt, mit dem Ergebnis, dass sich viele hoch qualifizierte Migrant*innen in schlecht(er) bezahlten Arbeitsverhältnissen oder in Arbeitslosigkeit wiederfinden. Nach wie vor Benachteiligungen Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund werden im Bildungs- und Ausbildungsbereich benachteiligt (vgl. Beicht/Walden, 2019). Migrant*innen werden mit Vorurteilen, Diskriminierungen und Rassismus konfrontiert (vgl. z.B. SVR-Forschungsbereich, 2018). Auch Arbeitgeber beschränken sich noch immer zu sehr auf die Sprachdefizite der Migrant*innen anstatt ihre Potenziale und Kompetenzen zu sehen. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass auf institutioneller wie kultureller Ebene noch eine Vielzahl an Strategien und Maßnahmen zur Förderung einer teilhabeorientierten Migrationsgesellschaft erforderlich sind. Auch auf individueller Ebene sind die Herausforderungen von Migration groß. Zugewanderte sind mit einer Vielzahl radikaler Veränderungen in allen Lebensbereichen konfrontiert, was große individuelle Belastungen mit sich zieht. Deshalb ist es wichtig, dass die Aufnahmegesellschaft entsprechende (psycho-) soziale Hilfs- und Orientierungsangebote bereithält, um Folgeprobleme zu minimieren. Vorbehalte – Rassismus – Populismus Obgleich Studien belegen, dass die Mehrheit der Bevölkerung Zuwanderung als Bereicherung sieht und ein positives Bild vom Zusammenleben in Deutschland überwiegt, werden gerade in Zeiten gestiegener Migration auch immer wieder Stimmen nach einer Begrenzung von Einwanderung lauter. Die Gründe hierfür sind meist emotionaler Natur, z.B. Konkurrenzempfinden auf dem Wohnungs- oder Arbeitsmarkt, diffuse Ängste vor „Überfremdung im eigenen Land“ oder rassistisch motivierte Abwehrreaktionen. Bedauerlicherweise versuchen verschiedene Politiker*innen immer wieder aus diesen Ängsten Profit zu schlagen und heizen diese Debatten unnötig an („Migration ist die Mutter aller Probleme“) anstatt in einen rationalen Dialog darüber einzutreten. Selektive Einwanderungspolitik Im Spannungsfeld der Forderungen nach mehr bzw. weniger Migration wird als vermeintlicher Konsens eine selektive Einwanderungspolitik vorgeschlagen, die sich primär nach der „ökonomischen Verwertbarkeit“ von Migrant*innen richtet. Gut qualifizierte Einwanderer sollen willkommen geheißen und mit möglichst wenig Hürden bei der Integration (in Arbeit versteht sich) konfrontiert werden, während Menschen, die diese (formellen) Voraussetzungen nicht sofort entsprechen, die Einwanderungen erschwert werden soll. In diesem Zusammenhang wird oft das „kanadische Einwanderungsmodell“ ins Spiel gebracht, das Migration nach einem Punktesystem regelt, welches nach Ausbildung, Arbeitserfahrung, Sprachkenntnissen und Alter klassifiziert. Migrationsexpert*innen bezweifeln jedoch die Wirksamkeit der Übertragung dieses Modells für Deutschland (vgl. Mediendienst Integration, 2015). Zudem widerspricht diese rein ökonomisch geleitete Einwanderung dem humanitären Auftrag von Einwanderungspolitik. Mit dem „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ setzt die Bundesregierung den Weg der selektiven Einwanderungspolitik weiter fort. Im Mittelpunkt stehen vor allem erleichterte Zuwanderungsoptionen für beruflich Qualifizierte und Möglichkeiten der Zuwanderung zum Zweck der Erwerbstätigkeit für Hochqualifizierte. Zudem wurden die Bleiberechtsregelungen für „gut integrierte“ und sozialversicherungspflichtig beschäftigte Geflüchtete sowie die Möglichkeiten einer Ausbildungsduldung verbessert, ohne jedoch vom Grundsatz der Trennung zwischen Geflüchteten-Status und Arbeitsmigration (Stichwort: Spurwechsel) aufzuheben. Migrationsarbeit beim Multikulturellen Forum: Um die Potenziale eingewanderter Menschen für Deutschland effektiv nutzbar zu machen, bedarf es nicht nur einer Liberalisierung von Migrationskriterien, sondern vor allem klug verzahnte Unterstützungsangebote. Das Multikulturelle Forum deckt mit seinen Angeboten viele Bereiche ab, die Migrant*innen dabei helfen, sich in Deutschland einzuleben. Zugewanderten stehen Orientierungs- und Informationsangebote im Rahmen der Migrationsberatung offen. Geflüchtete, die sich in einem noch nicht abgeschlossenen Asylverfahren befinden, werden durch die Flüchtlingsberatung auf diesem Weg unterstützt und begleitet. Sprach- und Integrationskurse sorgen dafür, dass sich Zugewanderte schnellstmöglich in Deutschland verständigen können. In den Kursen lernen sie auch, sich in Alltagssituationen (Einkaufen, Telefonieren, öffentliche Verkehrsmittel, Kontakt mit Behörden etc.) zurecht zu finden. Hinzu kommen zahlreiche interkulturelle Veranstaltungen und Begegnungsmöglichkeiten wie Gesprächskreise, Erzählcafés, Fahrradtouren, Lesungen uvm. von und für Migrant*nnen. Zur Förderung ihrer Chancen auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt bietet das MkF eine Vielzahl unterschiedlicher Qualifizierungsprojekte an. Das Entscheidende ist die Vernetzung der Angebote untereinander, damit der Integrationsprozess durch aufeinander aufgebaute und abgestimmte Förderung nachhaltig zum Erfolg führt. Ebenso wichtig ist jedoch die Vernetzung mit externen Kooperationspartnern. Dadurch kann das MkF auch bei speziellen Bedürfnissen der Migrant*innen, etwa durch Vermittlung an Psycholog*innen, helfen. Quellen Beicht/Walden (2019): Der Einfluss von Migrationshintergrund, sozialer Herkunft und Geschlecht auf den Übergang nicht studienberechtigter Schulabgänger/-innen in berufliche Ausbildung, Bonn. Forschungsbereich beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR-Forschungsbereich) (2018): „Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her?“. Diskriminierungserfahrungen und phänotypische Differenz in Deutschland, Berlin. Mediendienst Integration (2015): Kanadisches Punktesystem als Vorbild?, veröffentlicht am 23.01.2015 unter: https://mediendienst-integration.de/artikel/punktesystem-kanada-einwanderungsgesetz.html
Menschen mit guter Bleibeperspektive, Migrant*innen und ihre Familienangehörigen und gibt