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Workshops und Seminare im Bereich Gesellschaft und Prävention | Multikulturelles Forum e.V.

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Auswahl von Workshops zur Demokratiebildung und Präventionsarbeit im Bereich der Jugendarbeit, die das Multikulturellen Forum in Schulen, (Jugend-)Vereinen und anderen Einrichtungen auf Nachfrage durchführt.
Februar 2021 Online-Kurse beim Bildungswerk Multi-Kulti Pandemiebedingt bietet

Antisemitismus | Multikulturelles Forum e.V.

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Antisemitismus wird im Allgemeinen als Feindschaft gegen Juden und Jüdinnen definiert und umfasst verschiedene Erscheinungsformen. „Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden“ (Adorno, 1951, S.200) Denn Antisemitismus hat mit der Alltagswirklichkeit von Juden und Jüdinnen nichts zu tun und er ist auch nicht an ihre physische Anwesenheit gebunden. Antisemitismus speist sich aus jahrhundertealten judenfeindlichen Mythen und Vorurteilen. Als „fremdes“ und „eigenartiges“ Kollektiv dienen die Juden als Projektionsfläche für gesellschaftliche Probleme und Veränderungen. Unterschied zu Rassismus Während Rassismus die Unterlegenheit der „Anderen“ betont, unterstellt Antisemitismus eine jüdische Übermacht und erklärt sich Gesellschaft durch das vermeintliche Wirken von Juden. Er bietet damit eine sinnstiftende Welterklärung an. Im Rassismus werden die Objekte des Hasses selten mit Geld, Bildung und Macht assoziiert, sondern im Gegenteil mit Primitivität und Mangel an Intelligenz. „Die phantasmatische Figur des Juden nimmt im antisemitischen Denken weder den Ort des Wir noch den des Anderen ein, sondern gilt als ominöser, ungreifbarer Feind jeder Ordnung, als „Weltfeind“ und nicht als „‘normale‘ Nation, Rasse oder Religion “ (Messerschmidt, 2017). Dieses Spezifikum unterscheidet Antisemitismus von anderen Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Antijudaismus Die älteste antisemitische Ausdrucksform ist der religiös begründete Antijudaismus. Der sogenannte christliche Antijudaismus setzte schon in der ausgehenden Antike ein und prägte das europäische Mittelalter und die frühe Neuzeit. Der religiös begründete Antisemitismus legte gewissermaßen die Grundlagen für alle folgenden Erscheinungsformen, auch die aktuellen. Denn die gängigen antisemitischen Zuschreibungen speisen sich immer noch hauptsächlich aus dem Antijudaismus. Die in dieser Zeit entstanden Verschwörungsmythen, wie der Verrat an Jesus, der Mythos der Hostienschändung oder die Ritualmordlegende, sind heute noch Grundlage für antisemitische Stereotype und Codes. Rassistischer Antisemitismus Der rassistische Antisemitismus bezeichnet eine Form, die besonders prägnant zum Ende des 19. Jahrhunderts auftrat und vermeintlich „wissenschaftliche“ Erkenntnisse der Naturwissenschaften heranzieht, um den Judenhass zu begründen. Diese Form richtet sich nun nicht mehr nur gegen das Judentum als religiöse Gemeinschaft, sondern konstruiert eine homogene „jüdische Rasse“. Physiognomische Merkmale wie die Hakennase, wulstige Lippen, gekrümmte Haltung werden der „jüdischen Rasse“ zugeschrieben und sollen sie „erkennbar machen“. Diese Form wird unter den Nationalsozialisten zur Staatsdoktrin erhoben und mündet mit dem Holocaust in der systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung. Sekundärer Antisemitismus Antisemitische Einstellungen trotz oder wegen des Holocausts bezeichnet man als sekundären Antisemitismus. Unter sekundärem Antisemitismus fasst man alle Ausdrucksformen, die zum Ziel haben, den Holocaust und die Verfolgung der Juden zu leugnen oder zu relativieren. Forderungen nach einem „Schlussstrich“ unter die Verbrechen der Nationalsozialisten und der Beendigung des „Schuldkultes“ sind gängige Argumentationsmuster, welche dem sekundären Antisemitismus zugeordnet werden können. Nahostkonflikt als Projektionsfläche Eine weitere aktuelle Erscheinungsform des Antisemitismus ist der israelbezogene oder auch antizionistische Antisemitismus. Die Frage danach, wo legitime Israelkritik aufhört und Antisemitismus anfängt, ist sowohl in der allgemeinen Öffentlichkeit als auch in der Forschung ein viel diskutiertes Thema. Die Schlüsselfrage ist nicht, ob Kritik an Israel „erlaubt“ ist, sondern, ob Kritiker*innen ein kritisch-differenzierendes oder aber ein extrem verzerrtes und einseitiges Bild zeichnen, in dem Israel als jüdisches Kollektiv gedacht wird. Antisemitismus im Mantel der Israelkritik wird auch dann deutlich, wenn beispielsweise im Sprechen über Israel Jahrhunderte alte antijüdische Stereotype auf Israel projiziert oder das Vorgehen Israels mit den Verbrechen der Nationalsozialisten gleichgesetzt wird. Erscheinungsformen der Gegenwart Die verschiedenen Erscheinungsformen treten im öffentlichen Diskurs vermischt und in Kombination auf. Das alle Formen verbindende Element ist die historische Kontinuität der antisemitischen Vorurteile, welche seit Jahrhunderten reproduziert werden. Die aktuelle Mitte-Studie (Zick/Küpper/Berghan, 2018) zeigt auf, dass besonders die aktuellen und subtileren Formen Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten. Rund ein Viertel der Befragten stimmen israelbezogenen antisemitischen Aussagen zu. Oftmals werden Jüdinnen und Juden nicht explizit benannt, sondern es wird mit Andeutungen und Codes gearbeitet. Das Judentum wird seit jeher mit Macht und Einfluss in Verbindung gebracht. Dabei werden komplexe gesellschaftliche Verhältnisse und krisenhafte Erscheinung auf das angeblich bewusste Wirken „der Juden“ zurückgeführt. Der Wunsch nach einer widerspruchsfreien Gesellschaft bzw. einem klaren Feindbild, machen jüdische Verschwörungsmythen anschlussfähig. Antisemitismus kann so zu einem geschlossenen Weltbild werden. Aktuelle Studien belegen, dass Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft nach wie vor ein weit verbreitetes und gesamtgesellschaftliches Problem darstellt. Rund 20 Prozent der Bevölkerung zeigt demnach antisemitische Tendenzen (vgl.Zick/Küpper/Berghan, 2018). Die neuen Medien und die grenzenlosen Möglichkeiten der Verbreitung von antisemitischen Inhalten und Verschwörungsmythen sind ein wichtiger Faktor, wenn es um die Frage geht, warum Antisemitismus heute immer noch ein gesellschaftliches Querschnittthema darstellt. Die Zahl der antisemitischen Straftaten hat im Jahr 2018 weiter zugenommen, um ca. 10% stieg die Zahl im Vergleich zu 2017. Laut Innenministerium waren knapp 90 Prozent der 1.799 antisemitischen Straftaten des vergangenen Jahres rechtsmotiviert. Auch an den Schulen ist eine Zunahme von antisemitischen Anfeindungen und Übergriffen zu verzeichnen. Antisemitismuskritische Bildungsarbeit Aus dieser Differenz und der damit zusammenhängenden Erfahrung, dass sich bewährte Konzepte aus der rassismuskritischen Bildungsarbeit nur begrenzt auf Antisemitismus übertragen lassen, ergab sich vor etwas mehr als zehn Jahren die Notwendigkeit antisemitismuskritische Bildungsarbeit als eigenständigen Lernbereich zu etablieren (vgl. Stender, 2011, S.36-54). Das Multikulturelle Forum e.V. bietet Workshopreihen, Seminare und Bildungsangebote im Bereich der politischen Bildung an. Zu den Themenschwerpunkten zählt neben Antisemitismus auch die Begegnungspädagogik. Der Verein konzipiert seine Bildungsangebote und Maßnahmen teilweise durch eigens entwickelte Methoden. Neben der Durchführung von Workshops an Schulen und in der außerschulischen Jugendarbeit (Vereine, Begegnungsstätten, Jugendorganisationen) ermöglicht das Multikulturelle Forum Jugendlichen und jungen Erwachsenen Begegnungen und intensiven Austausch mit Jugendlichen anderer religiöser Gemeinden. Einen weiteren Baustein bildet die Erinnerungsarbeit. Hier ermöglichen wir u.a. Gespräche mit Zeitzeug*innen begleiten junge Menschen nach intensiver Vorbereitung Gedenkstätten und Dokumentationszentren. Darüber hinaus bilden wir Multiplikator*innen aus, die dazu befähigt werden, Teamer*innen eigener Workshops anzubieten. Quellen Adorno,Theodor W. (1951): Minima moralia, Frankfurt. Messerschmidt, Astrid / Mendel, Meron (2017): Fragiler Konsens. Antisemitismuskritische Bildung in der Migrationsgesellschaft. Stender, Wolfram (2011): Antisemitismuskritische Bildungsarbeit. Forschungsstand und Perspektiven, in: W. Benz (Hg.), Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 20, Berlin. Zick, Andreas / Küpper, Beate / Berghan, Wilhelm (2018): Verlorene Mitte – Feindselige Zustände. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2018/19, Hg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Franziska Schröter, Bonn.
Wegweiser geht online Die Wegweiser-Beratungsstellen beraten nun auch online und

Antimuslimischer Rassismus | Multikulturelles Forum e.V.

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Antimuslimischer Rassismus bezeichnet eine Form des Rassismus, die sich gegen Muslim*innen sowie Menschen richtet, die als Muslim*innen gelesen werden. Das bedeutet, dass die Religiosität oder tatsächliche Zugehörigkeit zur islamischen Religion nicht entscheidend ist. Auch Menschen, die sich selbst gar nicht als muslimisch verstehen/identifizieren, aber aufgrund ihres Aussehens oder Namens als muslimisch wahrgenommen werden, können antimuslimischen Ressentiments ausgesetzt sein. Woran erkenne ich antimuslimischen Rassismus? Der antimuslimische Rassismus folgt Denkmustern, die auch anderen Rassismen innewohnen: Muslimische und als muslimisch markierte Menschen werden zu einer einheitlichen Gruppe konstruiert, der pauschal zumeist negative Eigenschaften zugeschrieben werden, die sie von der Eigengruppe quasi natürlich unterscheidet. Mit der Abwertung der „Anderen“ geht eine Aufwertung der ebenfalls konstruierten Eigengruppe einher, die als positives Gegenbild (zivilisiert, aufgeklärt, emanzipiert etc.) entworfen wird. Die Konstruktion einer binären Ordnung (Wir vs. Muslim*innen) dient dabei gleichzeitig der Begründung von Privilegien der Dominanzgesellschaft (d.h. der nichtmuslimischen weißen Mehrheitsgesellschaft). Wichtig ist, dass es sich hierbei nicht um das tatsächliche Verhalten und die Lebenswirklichkeiten von Muslim*innen geht, sondern dieses Bild eine Konstruktion ist, das heißt erst durch die Dominanzgesellschaft hervorgebracht wird. Das bedeutet: Muslim*innen werden zu Anderen „gemacht“ („Othering“). Dieser Konstruktionsprozess wird „Rassifizierung“ genannt. Merkmale vom (antimuslimischen) Rassismus „Rassismus funktioniert nach einem Dreiklang: ,Sie müssen alle so sein, weil ihre Religion/Kultur/Biologie ihnen das vorschreibt‘ (Essentialisierung). ‚Sie sind alle gleich‘ (Homogenisierung). ‚Sie sind anders als wir‘ (Dichotomisierung). Und meist bedeutet ,anders‘ eben auch ,weniger gebildet, fortschrittlich, zivilisiert‘. (Iman Attia, 2019) Im modernen Rassismus haben die Kategorien „Kultur“ und „Religion“ die Stelle des biologistischen Rassebegriffs eingenommen, welcher seit dem Verbrechen des Nationalsozialismus als verpönt gilt. Man spricht hier vom Kulturrassismus oder Neo-Rassismus. Das bedeutet: Um Personen und Personengruppen abzuwerten sowie Unterschiede und Hierarchien zwischen denselben zu behaupten, wird nunmehr auf die Kategorien „Kultur“ und „Religion“ zurückgegriffen („Die Kultur der Muslime passt nicht zu uns“). Rassismus ohne Rassen „[…] [B]iologisch gibt es ohnehin keine „Rassen“. Im Rassismus geht es auch nicht um „Rassen“, sondern darum, dass Menschen aufgrund eines Merkmals „rassifiziert“, also zu einer einheitlichen Gruppe gemacht werden. Dabei kann es mal die Religion sein, die der Grund dafür ist, dass Menschen als „anders“ wahrgenommen werden. Mal ist es die Kultur, mal die Biologie. Aber die Logik ist immer dieselbe.“ (Iman Attia, 2019) Geschichte und Gegenwart antimuslimischer Narrative Zahlreiche repräsentative Studien haben gezeigt, dass Vorurteile und negative Einstellungen gegenüber Muslim*innen und „dem Islam“ in der deutschen nicht-muslimischen Bevölkerung in allen Schichten und Altersgruppen weit verbreitet sind. So empfindet mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Befragten in Deutschland den Islam als bedrohlich. Über 50 % der bejahen die Unvereinbarkeit von „Islam und westlicher Welt“. Diese antimuslimischen Ressentiments gehen auf altbekannte Feindbilder und Topoi zurück, die sich im kulturellen Gedächtnis Europas und Deutschlands verfestigt haben. Insbesondere im Zuge der Kolonialisierung wurde das Bild vom unzivilisierten, minderwertigen Orient konstruiert und dem Bild vom fortschrittlichen und überlegenen Westen gegenübergestellt. Das Neuartige an antimuslimischen Rassismen der Gegenwart ist, dass sie sich mit Integrations- und Migrationsdebatten vermischen und damit die Funktion erfüllen, Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit zu regeln. Dies zeigt sich darin, dass Begriffe wie „Türke“ „Migrant“ und „Muslim“ austauchbar geworden sind. Aus vormaligen „Ausländern“ wurden „Muslime“, die als „anders“, „fremd“, „nicht zugehörig“ markiert werden. Mit dieser Stigmatisierung geht eine Zunahme an islamfeindlichen Angriffen auf Muslim*innen und als muslimisch markierte Menschen, Geflüchtetenheimen sowie Moscheen einher. Trauriges Zeugnis des wachsenden antimuslimischen Rassismus sind nicht zuletzt die rassistischen Morde von Hanau. Strukturelle Dimension vom antimuslimischen Rassismus. Oder: Nicht nur der*die Einzelne ist das Problem Anders als die Begriffe Islam- und Muslimfeindlichkeit, welche die individuellen, ablehnenden Einstellungen gegenüber Islam und Muslim*innen in den Blick nehmen, zeigt die Theorie des Antimuslimischen Rassismus – im Anschluss an rassismuskritische und postkoloniale Ansätze – auf, dass antimuslimische Haltungen nicht lediglich als Einstellungen von Einzelpersonen zu betrachten sind. Vielmehr werden diese gesamtgesellschaftlich auf verschiedenen Ebenen (institutionell, diskursiv, strukturell) begünstigt und (re-)produziert. Es gilt daher, die Macht- und Dominanzverhältnisse zu untersuchen, die die Marginalisierung von Muslim*innen befördern: Wer spricht? Wer hat die Definitionsmacht? Wer entscheidet, wer dazugehört und wer nicht? Praktiken von Ein- und Ausschluss durchziehen sich durch verschiedene Bereiche (z.B. auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt) und gehören zum Alltag von Muslim*innen und als muslimisch markierten Menschen. Aus diesem Grund ist hier vom antimuslimischen Rassismus zu sprechen. Diskursive Ebene In Studien und Diskursanalysen wurde mehrfach gezeigt, dass die mediale Berichterstattung über den Islam und die Muslim*innen in einem problemzentrierten und negativen Rahmen stattfindet. Positives, Normales und Alltägliches werden ausgeblendet. Auch wenn vereinzelt Medien differenziert über Islam und Muslim*innen berichten und die vielfältigen Lebensrealitäten von Muslim*innen aufzeigen, hat sich am Gesamtbild in den letzten Jahren nicht viel geändert. Themen wie Terrorismus, Frauenfeindlichkeit, Integrationsdefizite werden immer wieder pauschal in Zusammenhang mit Islam und Muslim*innen gebracht. Dadurch werden negative Kollektivzuschreibungen gegenüber Muslim*innen „normal“ und „sagbar“ gemacht. Ausgrenzende und stereotypisierende Berichterstattung muss nicht immer in Form von explizit negativen Zuschreibungen erfolgen. Ein jüngstes Beispiel, das dies gut veranschaulicht, ist ein Beitrag bei ARTE im Rahmen der Reihe „Calling Home“. Hierbei werden Telefongespräche zwischen erwachsenen Kindern mit ihren Eltern filmisch festgehalten. Es geht um Themen, die für Konflikte sorgen und Generationsunterschiede sichtbar werden lassen. Das Gespräch zwischen Emine Palabiyik, einer muslimischen Hip-Hop-Tänzerin, und ihrer Mutter wird mit der Überschrift „Islam und Feminismus“ betitelt. Nachdem sich Emine Palabiyik beschwert, wird sie abgeändert. Die Wahl dieser Überschrift ist bezeichnend: Plötzlich werden zwei individuelle Menschen mit ihren komplexen Facetten und Lebensgeschichten auf ihre muslimische Zugehörigkeit reduziert und zum Teil des hegemonialen Islamdiskurses gemacht. Entindividualisierung, Aberkennung von Komplexität und Reduktion auf die muslimische Zugehörigkeit sind ebenfalls Merkmale stereotyper Darstellung von Muslim*innen. Strukturelle / Institutionelle Ebene Ausgrenzungspraktiken auf struktureller und institutioneller Ebene werden am Beispiel des pauschalen Kopftuchverbots für Lehrer*innen deutlich, das 2004-2006 in verschiedenen Bundesländern erlassen und 2015 mit einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts als verfassungswidrig beurteilt wurde. In diesen sogenannten „Kopftuchgesetzen“ wurde die Ausgrenzung muslimischer Frauen durch eine pauschale Zuschreibung („Das Kopftuch gefährdet den Schulfrieden“) gesetzlich legitimiert – und zwar ungeachtet dessen, dass bis dahin jahrelang kopftuchtragende Lehrer*innen problemlos unterrichtet haben. Die Machtposition und Definitionsmacht werden dazu genutzt, Ungleichheit und Ausgrenzung zu legitimieren und um – über den Köpfen der marginalisierten Gruppe hinweg – zu entscheiden, wer dazugehört und wer ausgeschlossen werden darf. Die Strahlkraft eines solchen Kopftuchverbots auf die Wahrnehmung kopftuchtragender Muslim*innen wie auch ihre Arbeitschancen in anderen Sektoren ist nicht zu unterschätzen. Tatsächlich sind kopftuchtragende Frauen von Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt am stärksten betroffen. Begreift man die strukturelle Dimension des (antimuslimischen) Rassismus, eröffnen sich auch Chancen: Weil sich rassistische Strukturen und Denkfiguren durch die Gesellschaft hindurchziehen, können wir uns als Individuen diesen nicht entziehen und sind – gewollt oder ungewollt – in sie verstrickt. Der rassismuskritische Ansatz fokussiert und denunziert vor diesem Hintergrund nicht die Einzelperson als „Rassist*in“, sondern die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen „Verstrickung“. Daraus ergibt sich ein produktiver Ansatz: Aufgabe jeder Einzelperson ist es, Bilder und Vorurteile im Kopf sowie die eigenen Privilegien zu überdenken, d.h. die jeweils eigene Verstrickung zu hinterfragen. Dieser Ansatz kann zur Enttabuisierung des Themenkomplexes „Rassismus“ beitragen und zu einer gesamtgesellschaftlichen Annahme des Themas verhelfen. Mit Präventionsarbeit antimuslischen Rassismus begegnen Der Antimuslimische Rassismus zählt zu den Kernthemen des Multikulturellen Forums e.V. (siehe auch das aktuelle Projekt „Muslime im Dialog“). Im Rahmen von Bildungsangeboten für Jugendliche, junge Erwachsene und Multiplikator*innen setzen wir uns mit antimuslimischem Rassismus, Othering-Prozessen und religiöser Vielfalt auseinander. Dabei zielen die Workshops zum einen darauf ab, Wissen über den antimuslimischen Rassismus zu vermitteln. Zum anderen wird auf der Einstellungsebene eine Auseinandersetzung mit den eigenen Bildern im Kopf (Welche Bilder habe ich? Warum habe ich dieses Bild? Wie entstehen diese Bilder?) angeregt. Auf diese Weise wird vorurteilsbewusstes und diskriminierungskritisches Handeln eingeübt. Auch das Aufzeigen von Gegennarrativen im Kontext von Islam und Muslim*innen sowie der Vielfalt muslimischer Lebenswelten tragen dazu bei, Vorurteile und Stereotype abzubauen. Schließlich wird durch Dialogformate und interreligiöse Begegnungen ein lebendiger Austausch über lebensweltliche Fragen initiiert. Quellen Cheema, Saba-Nur (2017): Othering und Muslimsein. Über Konstruktionen und Wahrnehmungen von Muslim*innen. In: Außerschulische Bildung -Zeitschrift der politischen Jugend-und Erwachsenenbildung 48, 2, S.23–28. Bertelsmann-Stiftung: Religionsmonitor 2015. Schönfeld, Anne (2019): Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus. Eine Bestandsaufnahme [letzter Zugriff: 03.04.2020]. Shooman, Yasemin (2011): Islamophobie, antimuslimischer Rassismus oder Muslimfeindlichkeit? Kommentar zu der Begriffsdebatte der Deutschen Islam Konferenz [letzter Zugriff: 03.04.2020]
Wegweiser geht online Die Wegweiser-Beratungsstellen beraten nun auch online und